Anzeige

Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

Vierter ADHS Fachtag im MGH in Binsfeld

Binsfeld - Etwa vierzig interessierte und hochmotivierte Eltern, Lehrer und Erzieher konnte Kreisjugendpfleger Bernhard Metz im Mehrgenerationenhaus Binsfeld begrüßen.

adhsMetz, der auch Vorsitzender des Fördervereins Gut Erlasee ist, machte deutlich, dass es beim vierten Fachtag zur ADHS Problematik darum geht, den Eltern und Pädagogen Hilfestellung zu geben, um besser auf die Problematik der Kinder eingehen zu können. „Uns ist es wichtig, für die Kinder und Betroffenen Verständnis aufzubringen, und Alternativen zur herkömmlichen Behandlung zu zeigen“, erklärte er.

Kaum ein Störungsbild in der Kinder und Jugendpsychiatrie wird derzeit so kontrovers diskutiert wie das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Betroffene wissen und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass es sich um eine ernstzunehmende Störung handelt. Derzeit wird vor allem der Medizin die Suche nach Lösungen überlassen. Soziokulturelle Sichtweisen werden oft ausgeblendet, ignoriert oder kleingeredet.
Mit dem vierten Fachtag zur ADHS Problematik wurde der Fokus darauf gelegt, welche Gegebenheiten Verhaltensauffälligkeiten verschärfen, wie es dem Kind oder Jugendlichen mit ADHS geht, wie Eltern adäquates Verhalten trainieren und welche therapeutische Methoden erfolgsversprechend sind. In drei Workshops wurden dazu Erfahrungen und Methoden ausgetauscht.

Referent Andreas Arnold setzte im pädagogischen Teil den Schwerpunkt auf den Austausch und die Steuerung eines gemeinsamen und geplanten Umgangs mit ADHS. Eltern sollten mehr Unterstützung von professioneller Seite erhalten, auch wenn sie einen Weg ohne Medikamente gehen wollen. Kinder sollten stärker in die Behandlung eingebunden werden. Sie könnten bereits früh verstehen, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf ihr Umfeld hat und deshalb lernen, sich selbst Ziele zu setzen und an diesen zu arbeiten. Ein strukturierter Umgang mit dem Kind in Verbindung mit liebevoller Strenge und Vorbildverhalten sei bei ADHS der richtige Erziehungsstil.

Die Gesundheitsmanagerin, Melissa Lutz, berichtete über gezielte Bewegungsprogramme, die ADHS Symptome lindern helfen. Andy Petko, promovierter Sportwissenschaftler, beschäftigt sich insbesondere mit der Ernährung von Sportlern als hoch aktiven Menschen. Auch Kinder mit ADHS sind hochaktive Menschen und er stellt die These auf: Eine richtige Ernährung stärkt vor allem die Psyche, auch bei Kindern mit ADHS.

Nach den Workshops entstand eine rege Diskussion im Plenum, Eltern und ErzieherInnen berichteten von eigenen Erfahrungen mit den ADHS Kindern. Die tägliche, permanente Auseinandersetzung mit dem Kind, das Einfordern, Einhalten und Akzeptieren der Regeln
erfordern von den Eltern und Erziehern ein hohes Maß an Geduld, Einfühlungsvermögen, Strenge und Disziplin. Nicht wenige Eltern sind verunsichert oder verzweifeln an den täglichen Herausforderungen in der Erziehungsarbeit. Beim Workshop spürten die Eltern dass ihr Anliegen akzeptiert und ernst genommen wurde. Ein weiterer Fachtag ist für das nächste Jahr in Vorbereitung. Das Mehrgenerationenhaus in Binsfeld übernahm die Bewirtung und sorgte für die Kinderbetreuung.

Nachgefragt:
Das Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitäts-Syndrom gehört neben der Störung des Sozialverhaltens zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindesalter.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass weltweit ca. 4 bis 7 % der Kinder von dieser Krankheit betroffen sind. Dabei betrifft es mehr Jungen als Mädchen. Zum Problem wird es dann für die Eltern und Erzieher, wenn bestimmte Anforderungen an das Kind gestellt werden, wenn z.B. Konzentration, Aufmerksamkeit, Ausdauer gefordert werden. Diese Eigenschaften beinhalten für Kinder mit ADHS ein hohes Konfliktpotential und führen häufig zu Regelverstößen.

Foto (Bernhard Metz): Referent Andreas Arnold im Workshop „Pädagogische Möglichkeiten“.


TOP Firmen: