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Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

„Europa deiner Wahl“

Würzburg - Debatte zur Einstimmung auf Stimmabgabe.

diskussionDie Berichterstattung über Europa bestimmen wenige Monate vor der Europawahl am 26. Mai nicht die Programme oder Köpfe der Parteien, die ins Straßburger Parlament einziehen wollen, sondern der Brexit und eine allgemeine Krisenstimmung. Mit der Veranstaltungsreihe „Europa deiner Wahl“ möchte das Büro EU-Angelegenheiten der Stadt Würzburg zusammen mit vielen Kooperationspartnern diesen engen und vielleicht auch deprimierenden Fokus überwinden und gute Argumente für eine  Stimmabgabe liefern.

Eine erste Podiumsdiskussion zeigte nun: Es gibt nicht nur EU-Skeptiker, sondern auch Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen Europa verschrieben haben. Dies war die große Gemeinsamkeit der sieben Persönlichkeiten, die im Rathaus zum Thema „Was nutzt meine Stimme?!“ debattierten. Bei gleicher, wohlwollender Grundeinstimmung gegenüber der EU unterschieden sich die Diskutanten dann aber doch sehr in ihren Betätigungsfeldern und Erwartungshaltungen: Die Würzburger
Professorin für Internationale Beziehungen Gisela Müller-Brandeck-Bocquet sieht in Europa „ein Friedensprojekt, ein Abenteuer und eine Lebensversicherung für Mitgestaltung weltweit“. Der Auslandskorrespondent Detlef Drewes, der aus Brüssel für einen Pool deutscher Tageszeitungen berichtet, erkennt die Vermarktungsprobleme „wenn beispielsweise die positive Abschaffung der Roaming-Gebühren nicht mit der EU verbunden werden – genauso wenig wie die Förderung von Forschung oder Start-Ups “ Robert Peter setzt als Initiator von „FreeInterrail“ auf Reisen zu günstigen Konditionen, um in der jungen Generation eine über Grenzen verbindende kollektive Erfahrung zu schaffen. Susanna Schmitt, Beisitzerin im Landesvorstand der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) Bayern, ist mit ihrem deutsch-französischen Studiengang derzeit sicher noch eine seltene Pionierin. Ermutigt hiervon hat sie die Vision einer Europäischen Republik, die in den nächsten Jahrzehnten von den Nationalstaaten weiter mit Macht ausgestattet werden. Kerstin Westphal sitzt seit zehn Jahren für die SPD im Europäischen Parlament und schilderte aus ihrer Sicht,
dass die Europäische Kommission in den letzten Jahren demokratischer geworden sei und die EU erst mit dem Lissabonner Vertrag, der vor zehn Jahren in Kraft trat, den richtigen Weg eingeschlagen habe, um sich von überflüssiger Bürokratie trennen zu können. Dies wiederum begrüßte Stephan Behringer als Vertreter des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). Er kritisierte beispielsweise die Datenschutz-Grundverordnung, die kleinere Unternehmen vor massive Probleme gestellt hätte. Grundsätzlich sieht Behringer aber ein Riesenpotential, wenn in einem Wirtschaftsraum mit 512 Millionen Menschen die Problemfelder Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit partnerschaftlich zusammen finden können.

Nach einführenden Worten von Michal Kopriva vom Büro EU-Angelegenheiten der Stadt, entwickelte sich unter der Moderation von Dr. Martin Kilgus, Geschäftsführer des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart, eine facettenreiche und leiden-schaftliche Diskussion. Dr. Kilgus fragte nach persönlichen Meinungen und Positionen und bekam auch klare Antworten. So hat beispielsweise Müller-Brandeck-Bocquet keine Angst vor einem starken Einzug rechter Kräfte in das neue EU-Parlament: „Rechtspopulisten und Europafeinde im Parlament sind keine neue Erfahrung. Schon heute haben sie einen beachtlichen Anteil, gleichwohl aber wenig gemeinsame Schlagkraft entwickelt.“ Eine hohe Wahlbeteiligung wäre die Grundvoraussetzung, um die radikalen Ränder nicht weiter zu stärken: „Und dann muss man sie in den Diskussionen stellen!“ In vielen Beiträgen auch aus dem Publikum klang an, dass man den erreichten Status quo Europas nicht klein reden solle. So sei es beispielsweise leicht eine europäische Öffentlichkeit einzufordern. In der Praxis habe man aber aktuell 24  Amts- und Arbeitssprachen in der EU und nur die wenigsten Bürger bringen die notwendigen Fremdsprachenkenntnisse mit, um die Gemeinschaft weiter voranzubringen.

Nach diesem Auftakt stehen nun noch drei weitere „Europa deiner Wahl“-Veranstaltungen an. Am 26. März führt die Stadt Würzburg gemeinsam mit der Robert-Kümmert Akademie von 13:30 – 16:00 Uhr eine Veranstaltung in leichter Sprache zur Europawahl durch. In einem Vortrag  „Europawahl 2019 – spannend und verständlich erklärt“ erfährt man, warum Europa für alle BürgerInnen wichtig ist. Außerdem wird erklärt, wie man wählt, damit die abgegebene Stimme auch gültig ist. Die Veranstaltung wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.

Ort: Rathaus, Ratssaal
Datum: Dienstag, 26. März 2019
Uhrzeit: 13:30 – 16:30 Uhr (mit Pause)
Kostenfreie Veranstaltung

Dann folgt das Theaterstück „Nach Europa“: Zwei Personen auf der Flucht – verstrickt in ihre ganz eigenen Vorstellungen von Europa. Ein berührendes, informatives und kurzweiliges Theaterstück zum Zustand der Demokratie und darüber, dass Frieden und Gerechtigkeit möglich sind und wir für ein demokratisches Europa einstehen müssen, wenn wir es schützen wollen.

Ort: Augustinerkirche, Würzburg
Datum: Donnerstag, 11. April 2019
Uhrzeit: 18:30 – 20:00 Uhr
Kostenfreie Veranstaltung

Final ist ein Multimediavortrag der besonderen Art über das Europäische Parlament geplant. Der Diplom-Politologe und Journalist Ingo Espenschied hat mit seinem außergewöhnlichen Format, dem Multimediavortrag „Das Europäische Parlament – Stimme der Bürger“, schon über 25.000 Zuschauer in Deutschland und Frankreich begeistert.

Ort: Bürgerbräu, Programmkino Central, großer Saal
Datum:  Freitag 17. Mai 2019
Uhrzeit: Vormittags für Schulen 09:00 – 11:00 Uhr
Abends: 18:00 – 20:00  Uhr (Anmeldung erforderlich)

Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei!

Ansprechpartner:
Michal Kopriva
Tel.: 0931 37-2276
michal.kopriva@stadt.wuerzburg.de


Bild: Podiumsdiskussion
Austausch über Europa vor der Wahl: Stephan Behringer, Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet, Robert Peter, Martin Kilgus, Kerstin Westphal, Susanna Schmitt und Detlef Drewes (von links) bei der Debatte „Was nutzt meine Stimme?!“im Ratssaal des Würzburger Rathauses.

Bild: Georg Wagenbrenner


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