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Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

490. Todestag: Gedenken an Tilman Riemenschneider

Würzburg - Am 7. Juli 2021, dem  490. Todestag Tilman Riemenschneiders, legten Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Weihbischof Ulrich Boom an dessen Grabplatte an der Nordseite des Würzburger Doms einen Kranz nieder und gedachten des spätgotischen Bildschnitzers und Bürgermeisters der Stadt Würzburg.

tilmaZwischen Dom und Neumünster befand sich bis Ende des 18. Jahrhunderts der Domfriedhof, wo Riemenschneider seine letzte Ruhestätte fand.

Tilman Riemenschneider lebte von 1460 bis 1531. In Würzburg machte er sowohl als Bildhauermeister als auch als Ratsherr und Bürgermeister eine beeindruckende Karriere – Würzburg war aber auch der Schauplatz seines beispiellosen Absturzes bis zu Einkerkerung, Folter, Verlust aller politischen Ämter und künstlerischen Aufträge hinein in eine jahrhundertelange Vergessenheit.

Um 1500 hatte er als Künstler einen hervorragenden Ruf, er war zum wohlhabenden Bürger und Vorsteher seiner Zunft geworden. Er besaß in Würzburg mehrere Häuser, Grundbesitz mit eigenen Weinbergen und eine florierende Werkstatt, in der er viele Gesellen beschäftigte. Im November 1504 wurde er in den Unteren  Rat der Stadt Würzburg berufen. 1520/21 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er bis 1524 aus. Als einflussreiches Ratsmitglied geriet Riemenschneider 1525 in den „Strudel des Bauernkriegs“, so Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der Kranzniederlegung über seinen Amtsvorgänger. Als der Unterrat nach anfänglichem Schwanken seinem bischöflichen Landesherrn den Gehorsam aufkündigte, hatte Riemenschneider daran einen nicht unerheblichen Anteil. Die Niederlage der Bauern hatte für ihn daher schwerwiegende Konsequenzen. Mehrwöchiger Haft und Verhören unter Einsatz der Folter folgten die Entfernung aus dem städtischen Rat und die teilweise Einziehung seines umfangreichen Besitzes. Nach 1525 erhielt Riemenschneider keine größeren Aufträge mehr. Er verlor seine Arbeit, seine politischen Ämter und geriet bald in Vergessenheit. „Erst als 1822 bei Straßenarbeiten sein Grabstein gefunden wurde, kam es zu einer Wiederentdeckung Riemenschneiders und seiner Kunst“, so Schuchardt weiter. „Heute hat sein Werk Weltgeltung und gilt als Inbegriff der mainfränkischen Kunst des Spätmittelalters.“ Für Weihbischof Ulrich Boom hat das Denkmal Riemenschneiders und das Gedenken seines Wirkens 500 Jahre später etwas Tröstliches: „Auch wenn vieles dem Zeitgeist zum Opfer fällt, so wie Riemenschneider lange in Vergessenheit geriet, so sehen wir doch, dass gute Gedanken und gutes Wirken sich wieder in Erinnerung bringen.“

Die Kranzniederlegung an der Nordseite des Würzburger Doms begleiteten Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann, Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder, Domkapitular und Dompfarrer Stefan Gessner, der Schulleiter des Riemenschneider-Gymnasiums Klaus Gerlach, der Direktor des Museums für Franken Jörg Meißner, der Vorsitzende der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte Prof. Dr. Matthias Stickler vom Lehrstuhl für Neueste Geschichte Julius-Maximilians-Universität wie auch die Stadträtinnen Nadine Lexa und Barbara Meyer und die Stadträte Wolfgang Roth, Willi Dürrnagel und Ludwig Mechler.

BU2: v.li: Stadträtin Nadine Lexa, Direktor Riemenschneider-Gymnasium Klaus Gerlach, Stadträtin Barbara Meyer, Stadtrat Ludwig Mechler, Stadtrat, Wolfgang Roth, Weihbischof Ulrich Boom (hinten li.), Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann, Oberbürgermeister Christian Schuchardt (hinten re.), Stadtrat Willi Dürrnagel, Direktor Museum für Franken Jörg Meißner, Prof. Dr. Klaus Reder, Prof. Dr. Matthias Stickler, Dompfarrer Stefan Gessner.

Foto: Claudia Lother


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