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Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

Pilotprojekt: Mit der Kamera auf Jagd nach Energiefressern

Würzburg - Morgens, kurz nach 7 Uhr. Über dem Gras liegt noch ein leichter, frostiger Eisschimmer. Das Thermometer zeigt minus zehn Grad. Langsam sickert die Kälte durch die Schuhe.

pilotprojektArchitekt Hans Bieberstein ist die Kälte aber nicht anzumerken. Gut gelaunt nimmt er mit seiner Wärmebildkamera das Haus von Oberbürgermeister Christian Schuchardt ins Visier. Schuchardt hat sein Haus als Demonstrationsobjekt zur Verfügung gestellt, um möglichst viele Hauseigentümer zum Mitmachen zu animieren.
Wo sich in Wirklichkeit die grauen Betonmauern des Hauses befinden, schillern diese auf dem Bildschirm der Wärmebildkamera nun blau, grün oder rot. „Hier ist die Kellerdecke“, zeigt Bieberstein auf eine dicke rote Linie, die sich quer durch das Bild zieht, während die Umgebung in grün schimmert. Die Temperaturdifferenz zwischen beiden Bereichen liegt bei 14,4 Grad. Denn während die kältesten Stellen an der Hausfassade minus 7,5 Grad kalt sind, ist die Kellerdecke 6,9 Grad warm und gibt diese Temperatur nach außen ab. „Das ist eine Wärmebrücke“, weiß Bieberstein, „hier geht viel Energie nach außen verloren.“ Sein Tipp: Dämmen! Das tut der Umwelt gut, vermeidet Schimmelbildung und schont den Geldbeutel.
Stück für Stück tastet Bieberstein das Haus mit der Wärmekamera ab, „sieht“ durch die Mauern, wo innen die Heizkörper installiert sind, Erkennt eine weitere Wärmebrücke in der Decke zwischen Erdgeschoss und Dach wie auch in den Glasbausteinen des Treppenhauses. „Hier könnte man eine Isolierverglasung als Dämmung dahinter setzen“, erklärt der Architekt: Damit würden die kalten Glasbausteine nicht direkt mit der warmen Innenluft in Verbindung kommen.
Seit zwei Jahren bietet das Energie- und Klimazentrum der Stadt Würzburg in ausgewählten Quartieren für Haus- oder Wohnungseigentümer Termine für Thermografierundgänge an. Damit können die Immobilienbesitzer den energetischen Schwachstellen der eigenen vier Wände auf die Schliche kommen. Denn eine Wärmebildkamera gibt Aufschluss über mögliche Wärmeverluste des Eigenheims und zeigt damit auch Einsparpotenziale auf. Gleichzeitig steht der Energieprofi für Fragen rund um Zugluft, kalte Wände und hohe Heizkosten zur Verfügung und gibt Tipps zu sinnvollen Alternativen und machbaren energetischen Sanierungsschritten. „Ich weiß nun, wo die Schwachstellen liegen und kann die Sanierung angehen“, zieht Schuchardt Bilanz.
„Der Blick durch die Wärmebildkamera auf seine eigenen vier Wände zeigt dem Eigentümer eindrucksvoll die Schwächen auf und ist oft der Schlüssel zu einer energetischen Gebäudesanierung. Für Besitzer von Eigentumswohnungen können die Aufnahmen eine gute Argumentationshilfe bei Entscheidungen sein“, so der städtische Sanierungsmanager Clemens Galonska.
Voraussetzung für aufschlussreiche Bilder ist dabei eine möglichst niedrige Außentemperatur. Dann nämlich zeigen sich die Undichtigkeiten an der Gebäudehülle am deutlichsten. Ein Rundgang wird deshalb in Abhängigkeit vom Wetter stattfinden. Die Außentemperaturen sollten nicht höher als ein Grad Celsius sein. Die Teilnahme und die gemeinsame Auswertung sind kostenlos.
Neben dem Angebot der Stadt Würzburg werden von der WVV und vielen Energieberatern Unterfranken auch individuelle Energieberatungen mit Wärmebildkamera angeboten.

Wer sein Haus überprüfen lassen möchte oder weitere Informationen benötigt, kann sich an Sanierungsmanager Clemens Galonska (Telefon: 0931  37-2741, E.Mail: ekz@stadt.wuerzburg.de) wenden.

Bild: Architekt Hans Bieberstein (links) und OB Christian Schuchardt begutachten das Haus.

Foto: Christian Weiß


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