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Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

Kunst eines Kosmopoliten

Würzburg. „Sind Sie der Künstler?“, will die betagte Vernissage-Besucherin wissen, denn sie ist äußerst angetan von dem, was derzeit im Kolping-Center Mainfranken zu sehen ist.

vernissageRoland Eckert-Köhler lacht: „Na ja ... Künstler... Also, ich bin halt der, der die Bilder gemalt hat!“ Die Reaktion ist für den 66-jährigen Karbacher typisch. „REK“, wie sich Eckert-Köhler auch nennt, ist vollkommen unprätentiös. „Kunst“ soll keine hehre Grenze bilden. Überhaupt – von Grenzen hält der Maler gar nichts.

„Von unterwegs“ lautet der Titel seiner Ausstellung, die am Mittwoch von Karbachs Altbürgermeister Kurt Kneipp in der Galerie im Treppenhaus des Kolping-Center Mainfranken eröffnet wurde. Die Überschrift passt zweifellos. Denn Eckert-Köhler, der Malreisen organisiert, an denen sich auch schon Laudator Kurt Kneipp beteiligt hat, zeigt faszinierende Eindrücke von den vielen Orten, an die es ihn in den letzten Jahren verschlagen hat. Doch noch ein anderer Titel würde sehr gut passen: „Begegnungen“. Denn sie sind es, die das malende Unterwegssein für Eckert-Köhler so spannend machen.

Man kann sich an Eckert-Köhlers Bilder ergötzen, in den Farben schwelgen, Stimmungen nachspüren und Fernweh in sich erwachen lassen. Doch noch interessanter ist es, sich die Erlebnisse schildern zu lassen, die mit den Acrylgemälden verbunden sind. Kaum ein Bild, das nicht mit einem Abenteuer aufwarten könnte. „In Kroatien luden mich Leute zu sich in den Garten ein“, erzählt Eckert-Köhler in der für ihn eigenen, überschwänglichen Art, die ansteckt und nach „Mehr“ ruft. Da saß er also malend an irgendeinem kroatischen Ort, und schon kamen, wie üblich, Menschen auf ihn zu. REK lässt sich gern unterbrechen. Lässt sich gern entführen. Zum Beispiel in fremde Gärten.

Um in Kontakt mit Welt und Mensch zu kommen, malt Eckert-Köhler am liebsten draußen. Das ist schwieriger, als in der Zurückgezogenheit des eigenen Ateliers Farbe auf Leinwand zu bannen: „Man muss sich viel mehr konzentrieren.“ Schließich ist die Außenwelt voller Reize. Ständig muss gefiltert werden, flexibel muss der Maler den natürlichen Veränderungen folgen. Da ziehen Wolken am Himmel entlang und tauchen die Welt in Hell und Dunkel. Da biegt ein Wind den Halm, der im Atelier beharrlich gerade bliebe.

Der Maler und Mallehrer liebt genau diese Lebendigkeit. Und am meisten liebt er es, kommen neugierige, lebendige Menschen auf ihn zu, wenn er da irgendwo sitzt, mitten in einem Dorf, irgendwo am Rand einer Stadt, prominent auf einem Platz oder etwas versteckt hinter einem alten Haus. So ließ sich in Italien ein kleiner Junge von ihm zum Malen animieren: „Er setzte sich einfach neben mich und fing an.“ In Venedig kam er an eine Stelle, wo kein Tourist hingehen darf, Maler jedoch gern gesehen sind, mit rauen, aber herzlichen Fischerleuten in Kontakt.

Natürlich gibt es auch nicht ganz so schöne Erlebnisse – die Roland Eckert-Köhler mit Humor nimmt. Einmal zum Beispiel wollte er schnell eine Skizze in einem abgelegenen Kirchenraum anfertigen: „Da kamen zwei Bodyguards und bugsierten mich hinaus.“ Andere Länder, andere Sitten. Auch solche Abenteuer kommen in seinen Anekdotenschatz – und bleiben durch ein Gemälde, das dann allen Irritation zum Trotz doch angefertigt wurde, unvergessen.

Wer reist, lässt sich auf Abenteuer ein. Konfrontiert sich bewusst mit dem Fremden. Gibt Sicherheit auf und ist innerlich darauf gefasst, dass das eine oder andere auch mal schiefgehen kann. Wer reist, wer vor allem so reist, dass er sich abseits der Touristenströme aufhält, erlebt sich zwangsläufig als Fremder. Und wird dafür sensibilisiert, was es heißt, völlig fremd zu sein. Roland Eckert-Köhler hat sich schon an vielen Orten dieser Welt als Fremder gefühlt – allerdings meist nur zu Beginn. Denn immer schafft er es, die Fremdheit zu überwinden. Über Sprachgrenzen hinweg in Kontakt zu kommen und Freundschaften zu schließen.

Als Kosmopolit ist es REK völlig unverständlich, wie das Fremde, das Andere Abwehrhaltung hervorrufen kann. Er, der schon mit, für und über Flüchtlinge gemalt hat, kann nicht nachvollziehen, dass der Fremde nicht in allererster Linie Neugier hervorruft. Insofern hat seine Kunst durchaus einen appellativen Charakter: Leute, lasst euch doch einfach ein! Peter Langer

Roland Eckert-Köhlers Ausstellung „Von unterwegs“ ist bis 18. Februar 2018 in der Galerie im Treppenhaus des Kolping-Centers Mainfranken (Kolpingplatz 1) zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Samstag von 8 bis 17 Uhr und in den bayerischen Schulferien werktags von 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bild:  Peter Langer

Roland Eckert-Köhler vor seinem Gemälde „In der Provence“.


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