Dinkelsbühl - Eines der schönsten Fachwerkgebäude der süddeutschen Renaissance findet sich am Weinmarkt in Dinkelsbühl. Auf Karten und Postern wirbt das „Deutsche Haus“ seit langem für die Stadt an der Romantischen Straße, Feinschmecker schätzen die gute Küche, Gäste betten sich gerne in den stilvollen Hotelzimmern zur Ruhe.
Für Aufsehen sorgte im letzten Jahr allerdings eine umfassende, denk-malgerechte Renovierung der straßenseitigen Fassade. Das Haus strahlt nun wieder in frischen und anfangs ungewohnten Farben. Die aktuelle Fassung hebt beispielsweise das Rankenwerk grün hervor, folgt damit dem historischen Befund und bricht mit dem viele Jahre gewohnten Anblick.
Kaum zu glauben, dass der reiche Figuren¬schmuck der Fassade einst ebenfalls in kräftigen Farben glänzte. Neben den Atlanten, die Pfosten und Giebelgeschosse trage, sind an der Fassade auch die sieben Planetengötter mit ihren Attributen versammelt und als achte Holzplastik eine menschliche Figur. Sie gibt einen Hinweis auf den damaligen Bauherren. Hans Drechsel, Bürgermeister der Stadt und Angehöriger eines einflussreichen Patriziergeschlechtes, ließ Mitte des 16. Jahr-hunderts das alte Haus bis zum Weinkeller abbrechen und durch einen Fachwerkbau ersetzen, bei dem sich alemannische und fränkische Elemente mischen.
Dominierend in der Mittelachse und gewissermaßen als Gegengewicht zu den antiken Gottheiten findet sich die Kopie einer gekrönten Strahlenmadonna, die im Original im Hotel zu bewundern ist. Das Bildprogramm vervollständigen die Sgraffiti von Eva mit dem Apfel auf dem Pfeiler links und Christus, dem Erlöser, auf der rechten Seite. Gekrönt wird das Ganze schließlich von Weingott Bacchus direkt unter dem kleinen Krüppelwalm.
Selbstbewusst schiebt sich das ehemalige „Drechselsche Haus“ in die Straßenfront am Weinmarkt und wendet sich aufgrund einer kleinen optischen Täuschung stets dem Betrachter zu.
Küche und Herberge vom heutigen Deutschen Haus stehen in nichts dem schmucken Äußeren nach. Kenner schätzen die leichte, kreative Küche, die Wert legt auf regionale Produkte, ebenso wie den gut sortierten Weinkeller. Die Wirtsleute Beate und Richard Kellerbauer haben sich in der Vergangenheit einen ausgesprochen guten Ruf erarbeitet.
Doch auch hier dürfte es künftig noch einiges Aufsehen und positive Überraschungen geben: Seit Anfang des Jahres hat Florian Kellerbauer von seinen Eltern die Geschäfte übernommen. Nach Lehr- und Wanderjahren, die ihn in von den Anfängen im Hotel Viktoria in Bad Mergentheim über Stationen bei den Sterneköchen Dieter Kaufmann und Helmut Thieltges bis zu Joachim Wissler führten, der derzeit als der „beste Koch Deutschlands“ gilt. Ab März steht Florian Kellerbauer nach einem abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaftslehre wieder am Herd im Deutschen Haus in Dinkelsbühl und da darf man wirklich gespannt sein …
me
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