Main-Spessart, Würzburg & Kitzingen

Im Bann der neuen Medien

Würzburg - Experten aus ganz Deutschland kommen zur Würzburger Fachtagung Mediensucht am 26. März 2012. Präventive Ansätze, um Kinder und Jugendliche vor dem Abrutschen in Medien- und Internsucht zu bewahren, sind derzeit noch relativ rar. "Das Phänomen ist einfach noch zu wenig erforscht. Darum gibt es bislang kaum Material für Präventionsangebote", erklärt Kristina Dörnbrack von der Würzburger Suchtpräventionsfachstelle im Vorfeld der "Fachtagung Mediensucht". 

mediensuchtMit Vorträgen zum "Jugendmedienalltag", dem "Erscheinungsbild der Mediensucht" sowie Behandlungsmethoden eröffnen drei Experten die Tagung im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten, im Anschluss daran finden sechs Workshops statt. Organisiert wird die Fachveranstaltung von der Suchtpräventionsfachstelle der Diakonie, dem Fachbereich Jugend und Familie der Stadt Würzburg und dem Bezirksjugendring Unterfranken. In seinem Workshop "Wo ist der Haken an Facebook und Co?" wird Lambert Zumbrägel, Medienfachberater beim BezJR, der Frage nachgehen, warum soziale Netze junge Menschen gefährlich werden können.

Was zieht Kinder und Jugendliche eigentlich derart in den Bann, dass sie gar nicht mehr von der Spielkonsole loskommen, das Handy kaum mehr aus der Hand legen und einen Großteil ihrer Freizeit vor dem PC verbringen? Dieser Frage werden 30 Tagungsteilnehmer am 19. März im Vorfeld der Hauptveranstaltung bei einer "LAN-Party" im Internet-Jugendcafé Dom@in in Würzburg nachgehen. LAN bedeutet, dass mehrere private Computer zusammengeschlossen werden und die weit voneinander verstreut sitzenden Teilnehmer gemeinsam ein Taktik- und Strategiespiel wie "Counterstrike" am Computer spielen. Geleitet wird diese Veranstaltung ebenfalls von Lambert Zumbrägel.

Bisher ist Mediensucht noch nicht als eigenständiges Krankheitsbild bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Obwohl die Zahlen aus internationalen Studien alarmieren. Zwischen 1,6 und 8,2 Prozent der Jugendlichen weisen demnach ein problematisches Spielverhalten auf. Bei der ersten deutschlandweiten Studie zum Phänomen Internetsucht kam laut Kristina Dörnbrack heraus, dass inzwischen vier Prozent aller 14- bis 16-Jährigen internetsüchtig sind. "Der Anteil der süchtigen Mädchen übersteigt dieser Studie zufolge sogar noch den der Jungen", betont die Suchtpräventionsfachkraft von der Evangelischen Kinder- und Jugend- und Familienhilfe (EKJFH).

Manche Kinder und Jugendliche sind inzwischen so stark im Bann der neuen Medien gefangen, dass sie deswegen bei Prüfungen in der Schule durchfallen, reale Kontakte vernachlässigen und kaum noch etwas mit ihrer Familie unternehmen. Wie erkennen nun Eltern, dass der mediale Konsum ihres Kindes gefährlich zu werden beginnt? "Wird am Montag festgestellt, dass die Kinder am Wochenende nicht einmal vor der Tür waren, dann ist das mehr als ein Alarmzeichen", sagt Jürgen Keller, stellv. Leiter der EKJFH. Er plädiert dafür, sich sorgfältig zu überlegen, ob denn der 14-jährige Sohn tatsächlich einen eigenen Computer im Zimmer braucht. Das kann gut gehen. Tut es manchmal aber auch nicht. Jürgen Keller Bei allen Fragen zum Thema Sucht und Suchtprävention kann die Suchtpräventionsfachstelle von Jugendlichen und ihren Eltern unter
Telefon: 0931/7809543 oder E-Mail suchtpraevention@ekjh.de kontaktiert werden.

Bild:
Kristina Dörnbrack von der Würzburger Suchtpräventionsfachstelle
Foto: Jürgen Keller


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