Würzburg - Dies war nur die Spitze der Geburtstagstorte: Mit einem großen Festakt zum zehnjährigen Bestehen im Kulturspeicher feierte man nun die Eröffnung der Museums-Institution am Alten Hafen vor fast exakt zehn Jahren - am 22. Februar 2002.
Der Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Wolfgang Heubisch sprach und war zunächst fast sprachlos angesichts der gelungenen architektonischen Verbindung aus alt und neu, die an diesem Abend besonders gut zur Geltung kam. Über 600 Festgäste drängten sich im Foyer oder verfolgten das Programm von den Emporen aus durch die massive Holzkonstruktion hindurch. Heubisch betonte, dass sich schon die äußere Hülle der Sammlung Peter C. Ruppert und der Städtischen Kunstsammlung wohltuend von vielen zeitgenössischen Museumsbauten unterscheide, die zudem oft nach 20 oder 30 Jahren von Grund auf sanierungsbedürftig seien.
Der Minister freute sich aber selbstverständlich auch darauf, die inneren Werte des Museums noch besser kennen zu lernen, er bedankte sich für eine in Aussicht gestellte persönliche Kunstführung durch das Ehepaar Ruppert. Die Ehrenbürger der Stadt standen natürlich auch an diesem Abend im Mittelpunkt. Sowohl Oberbürgermeister Georg Rosenthal als auch Museumsleiterin Dr. Marlene Lauter erinnerten daran, dass mit dem Namen Ruppert und der großzügigen Anvertrauung der Sammlung „Konkrete Kunst in Europa nach 1945“ an dieses Haus, das Großprojekt überhaupt erst denkbar wurde: „Diese Ausstellung ist ein Alleinstellungsmerkmal und schöner noch: sie ist eine ständig wachsende, lebendige Sammlung“, würdigte Rosenthal die ungebrochene Sammelleidenschaft des Ehepaar Rupperts. Nutznießer sei stets deren „zweite Heimat Würzburg“. Schirmherr dieser Sammlung ist der Generalsekretär des Europarats Thorbjǿrn Jagland, der aufgrund anderer Verpflichtungen aus der ferne Geburtstagswünsche ausrichten ließ.
Der Festakt verdeutlichte einige Besonderheiten, auf die das Museum stolz sein kann: Nach zehn Jahren und rund 425.000 Besuchern hat sich rund um das Museum viel entwickelt. Städtebaulich entstand und entsteht die Kulturmeile Würzburgs, aber auch das Netzwerk des Museums ist beachtlich. Der Freundeskreis zählt mittlerweile 800 Mitglieder und bereits 2006 verlieh die Stadt Würzburg die Kulturmedaille an die Volunteers des Museums, um die ehrenamtliche Arbeit von derzeit rund 140 Personen anzuerkennen, die bei Service- und Aufsichtsdiensten mithelfen.
Auch durch diese logistische Unterstützung gelang es das Vertrauen anderer großer Museen zu gewinnen. Leihgaben aus Häusern wie der National Gallery in Washington oder dem Centre Pompidou in Paris waren hier zu Gast. Für eine Impressionisten-Ausstellung reisten umgekehrt Leihgaben bis nach Houston in Texas. Rosenthal zog das Geburtstagsfazit.
Das damalige 20-Millionen-Bauprojekt „war aller Mühen wert“ und bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung durch den Stadtrat damals und zu späteren Zeitpunkten.
Für die zahlreichen Festgästen aus der Politik, der Kunstszene und der Kirchen hatte das Museumsteam um Dr. Lauter und die neue wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Henrike Holsing einen kurzweiligen Abend mit Strawinsky-Klängen und einer poetischen Collage von Nora Gomringer organisiert. Gerade die lautmalerische Annäherung an den Kulturspeicher mit Hilfe von Goethe, Jandl und Gomringer sorgte für gute Stimmung, die am späten Abend noch in Halli Galli übergehen sollte, so der Titel der Party und des Kunstgesprächs zu Camille Graeser, das die „Jungen Freunde“ des Museums organisiert hatten. Mit vielen kreativen Einfällen geht es auch nach dem Festwochenende weiter. Bis November sollte man sich (meist) die Zehnten eines Monats vormerken. Mit dem TanzSpeicher, dem Bockshorn der BBK und weiteren Akteuren sind noch einige kleine Feste geplant. Nähere Informationen hierzu unter www.kulturspeicher.de.
Bild:
Von links: Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Staatsminister Dr.
Wolfgang Heubisch, Museumsleiterin Dr. Marlene Lauter, Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, Mäzen und Ehrenbürger Peter C. Ruppert, Kulturreferent Muchtar Al Ghusain, Landtagsabgeordneter Oliver Jörg und Bundestagsabgeordneter Joachim Spatz. Bild: Georg Wagenbrenner